Jugendgewaltprävention

Einführung

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt ist völkerrechtlich verbihdlich in internationalen Menschenrechtsabkommen niedergelegt - für die Altersgruppe der jungen Menschen bis 18 Jahre in der Konvention über die Rechte des Kindes von 1989 (Kinderrechtskonvention). Drei Zusatzprotokolle betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten, betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie sowie bezüglich eines Individualbeschwerdeverfahrens sollen darüber hinaus Mädchen und Jungen vor Gewalt und Ausbeutung schützen.

Weltweit kommen viele Staaten ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen jedoch nicht ausreichend nach. Extreme Armut in Familien und ihre Folgeerscheinungen, wie beispielsweise Mangelernährung und Krankheit, Bildungsarmut und ausbeuterische Kinderarbeit sowie mangelnde Rechtstaatlichkeit nehmen Millionen von jungen Menschen ihre Rechte und Entwicklungschancen. Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wird in unterschiedlichen Formen unabhängig von regionalen, sozialen und kulturellen Grenzen ausgeübt. Ein Leben in Frieden und Sicherheit ist für Millionen von jungen Menschen keine Realität: Schätzungen zufolge leben weltweit über eine Milliarde Kinder in von Konflikten betroffenen Ländern oder Gebieten - das ist fast ein Sechstel der Weltbevölkerung. Zu diesen gehören nach Angaben des  Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (VN) auch 46 Prozent der weltweit 15,4 Millionen Flüchtlinge, der 28,8 Millionen Binnenvertriebenen und der 937.000 Asylsuchenden.

Junge Menschen haben einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von bis zu 70 Prozent in Partnerländern Kinder- und Jugendprojekt im Township-Winterveld zum fairen und gewaltfreien Umgang, Südafrika der Entwicklungszusammenarbeit. Ihre Lebensumstände sind oft mit einer gesellschaftlichen Randstellung verbunden. Erhebliche Rechtsverletzungen und eine hohe Gewaltkriminalität gehören zu ihrem Alltag, wobei Jugendliche sowohl zu Tätern als auch zu Opfern von Gewalt werden. Insbesondere sind junge Männer Opfer von öffentlicher lebensbedrohlicher Gewalt. Zugleich sind sie auch die größte Tätergruppe. Mädchen und junge Frauen sind dagegen vorrangig Opfer von weniger sichtbaren Formen der Gewalt, wie sexuelle und häusliche Gewalt.

Gewalt umfasst verschiedene Formen. Eine Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt Gewalt nach Tätern und Motivation. Als Jugendgewalt wird jede Form von zwischenmenschlicher Gewalt bezeichnet, in die junge Menschen sowohl als Opfer als auch als Täter involviert sind.

 

Außerhalb von Konfliktregionen ist Jugendgewalt laut WHO die am meisten sichtbare Gewalt und in vielen Ländern ein zunehmendes Problem. So sterben weltweit täglich durchschnittlich 685 junge Menschen zwischen zehn und 29 Jahren an den Folgen interpersonaler Gewalt, das heißt einer körperlichen Schädigung durch eine oder mehrere Personen. Gewalt ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Männern. Zentral- und Südamerika weisen dabei im weltweiten Vergleich die höchsten Mordraten auf. Honduras verzeichnet mit 90 Mordopfern auf 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen global die höchste Mordrate. Die absolute Mehrheit der Opfer sind junge Männer zwischen 15 und 34 Jahren. Die Anfang 2014 erschienene Global Study on Homicide des VN-Büros für Drogen und Kriminalität (UNODC)zeigt, dass die Entwicklung der Mordrate in zentral- und südamerikanischen Ländern in den vergangenen Jahren ganz unterschiedlich verlaufen ist, jedoch insgesamt auf einem sehr hohen Niveau bleibt.

 

 

 

Gründe für die extrem hohe Gewaltbereitschaft sind häufig ein Mangel an Identität, unzureichende Bildung, Arbeitslosigkeit, fehlende Anerkennung und kein Einkommen. Auswege suchen junge Menschen in diesen Situationen häufig in einem Zusammenschluss in Jugendbanden und durch organisierte Kriminalität. Urbane Zentren sind ein Brennpunkt für Jugendgewalt. In den großen Ballungsgebieten Südafrikas gehören Überfälle, Schießereien, Messerstechereien, Raub, Einbrüche und Vergewaltigung sowie Gewalt an Schulen zum alltäglichen Erleben. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler weltweit berichtet, bereits mehrfach in gewalttätige Auseinandersetzungen im Schulalltag verwickelt gewesen zu sein. Das Mitbringen von Waffen wie etwa Messer und Schlagringe in die Schule hat vor allem unter Schülern in den letzten Jahren stark zugenommen. Drogenhandel führt zu kriminellen Karrieren und Gewalttaten. Informelle Wohngebiete werden häufig von kriminellen Banden verwaltet und die Bevölkerung wird durch Einschüchterung und Anreize - wie verweigerten oder gewährten Zugang zu Basisdienstleistungen - an diese Banden gebunden. Die Rekrutierung junger Menschen für solche Gangs ist besonders einfach, wenn sie keine alternativen Zukunftsperspektiven und keine positiven Rollenmodelle haben.

Außerhalb von Gewalt- und Kriminalitätsstatistiken sind die weiteren Auswirkungen von Gewalt und damit auch von Jugendgewalt nur unzulänglich erfasst. Psychologische Folgen von Gewalterfahrungen, Angst und Traumata lassen sich zwar statistisch kaum erheben, wirken sich jedoch stark auf die Gesundheit und gefühlte Sicherheit der einzelnen Personen aus. Langfristige Beeinträchtigungen sowohl für die betroffenen Menschen als auch für das direkte Umfeld und die Gesamtgesellschaft sind die Folge.

Insgesamt hat ein hohes Gewaltniveau signifikante negative Auswirkungen auf wirtschaftlicher, sozialer und politischer Ebene: Das Leben der Betroffenen ist von Unsicherheit bestimmt, das Vertrauen in gesellschaftliche und staatliche Institutionen lässt nach, Investitionen werden verhindert und Produktivität nimmt ab. Es entstehen hohe Folgekosten vor allem für Gesundheitssysteme und den Sicherheitssektor.


Weiter: Ursachen für Jugendgewalt