Jugendgewaltprävention

Ursachen für Jugendgewalt

Die Ursachen von Jugendgewalt sind vielfältig. Es gibt nicht eine zentrale Ursache, auf die sich gewalttätiges Verhalten von Jugendlichen zurückführen lässt, sondern es handelt sich um ein Ursachengeflecht unterschiedlicher Faktoren.

Beispielhaft sind die Lebensbedingungen in Armensiedlungen schnell wachsender Metropolen: Die Arbeitslosigkeit ist überdurchschnittlich hoch; wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten sowie mangelnde Rechtssicherheit prägen das Umfeld; grundlegende Infrastruktur wie Bildungseinrichtungen, eine Wasser- und Stromversorgung oder sichere Wege für Kinder und Jugendliche fehlen. Damit einher geht meist eine sehr hohe Gewaltkriminalität, wobei insbesondere Jugendliche sowohl zu Tätern als auch zu Opfern von Gewalt werden. Soziale Gewalt und Delikte des organisierten Verbrechens sind eng miteinander verknüpft.

Gewalt entsteht aus der Wechselwirkung zahlreicher individueller und kontextspezifischer Einflussfaktoren und ist immer mit der fehlenden oder mangelhaften Umsetzung der verbrieften Rechte junger Menschen in ihren verschiedenen Lebensphasen verbunden. Die Einflussfaktoren bestimmen wesentlich das Risiko und den Umfang von Rechtsverletzungen und sind daher so genannte Risikofaktoren.

Risikofaktoren für Jugendgewalt lassen sich auf vier Ebenen identifizieren: Individuum, Beziehung, Gemeinde und Gesellschaft. Neben individuellen Risikofaktoren oder eigenen Gewalterfahrungen sind es meist strukturelle Probleme wie Armut, gesellschaftliche Ausgrenzung oder eine generelle Kultur der Gewalt zum Beispiel in Folge von bewaffneten Konflikten, die zur Entstehung von gewalttätigem Verhalten bei jungen Menschen beitragen. Da das Zusammenspiel und die Ausprägung der einzelnen Risikofaktoren kontextabhängig sind, ergeben sich weltweit länderspezifisch unterschiedliche Ursachengeflechte für Jugendgewalt.

Eine wirksame Prävention von Jugendgewalt orientiert sich an der Verminderung der unterschiedlichen Risikofaktoren und ihrem jeweiligen Zusammenspiel.

Auf der individuellen Ebene finden sich Risikofaktoren wie die biologische und psychische Dispositionen und persönliche Entwicklungsfaktoren.

Auf der Beziehungsebene entstehen Risikofaktoren vor allem durch Rechtsverletzungen innerhalb des familiären Umfeldes. Innerfamiliärer Umgang und sozioökonomischer Status der Familie sind maßgebliche Einflussfaktoren.

In der Schule, Nachbarschaft, der Gemeinde und am Arbeitsplatz sind die Schutz-, Förder- und Teilhaberechte junger Menschen umzusetzen, um junge Menschen für die Übernahme von Verantwortung zu befähigen. In vielen Entwicklungsländern ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die rasante Urbanisierung und das damit oft einhergehende Wachstum von Elendsvierteln ohne Infrastruktur und mangelhaftem sozialen Zusammenhalt sind ein idealer Nährboden für Gewalt. Damit einhergehende Probleme wie hohe Jugendarbeitslosigkeit, fehlende soziale Basisdienstleistungen, nicht vorhandene Freizeitmöglichkeiten sowie ein schlechtes Bildungssystem mit hohen Quoten von Schulabbrüchen tragen maßgeblich zur Entstehung von Gewalt und Jugendgangs bei. Die weite Vertireitung von Schusswaffen, meist aus vorangegangenen Bürgerkriegen oder Befreiungskämpfen, und die Verfügbarkeit von Drogen kommen erschwerend hinzu.

Gesamtgesellschaftliche Faktoren wie soziale, wirtschaftliche und politische Ausgrenzung bilden einen fruchtbaren Boden für ge{valttätiges Verhalten und verschärfen andere Risikofaktoren. Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit sind zugleich Ursache und Folge einer gesellschaftlichen Abseitsstellung und werden oft über Generationen hinweg vererbt.

Die Missachtung junger Menschen als Inhaber und Inhaberinnen von Rechten sowie die fehlende systematische Umsetzung von Rechten junger Menschen durch staatliche Pflichtenträger führen zu einer mangelhaften Berücksichtigung dieser Gruppe durch die Politik in zahlreichen Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Die gesamtgesellschaftliche Ausgrenzung trifft junge Menschen besonders hart und führt zu erhöhter Vulnerabilität und Frustration.

In Ländern mit einer schlechten Regierungsführung kann Jugendgewalt rasch in politische Gewalt umschlagen und zu bürgerkriegsähnlichen Konflikten führen. Perspektivlose Jugendliche können leichter für politische Zwecke instrumentalisiert und für den bewaffneten Kampf mobilisiert werden.
 

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