Die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltzerstörung auf Kinderarbeit

terre des hommes Kinderarbeitsreport 2017

Lisa Myers, Laura Theytaz-Bergman | Terre des hommes | 2017

Die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltzerstörung auf Kinderarbeit

Weltweit leben mehr als eine halbe Milliarde Kinder in Gebieten mit extremer Hochwassergefahr und knapp 160 Millionen Kinder in Gebieten mit starker Trockenheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 26 Prozent der 6,6 Millionen Sterbefälle bei Kindern unter fünf Jahren mit umweltbezogenen Ursachen und Bedingungen in Verbindung stehen. Darüber hinaus sind Kinder überproportional stark von Umweltverschmutzung betroffen, und zwar nicht nur in Bezug auf die Sterblichkeitsraten, sondern auch hinsichtlich ihrer kognitiven und körperlichen Entwicklung.

Für den Bericht wurde die Situation in Nepal, Indien, Burkina Faso, Peru und Nicaragua exemplarisch untersucht. Der Fall Burkina Faso zeigt, dass der Klimawandel in der Sahelzone zu nicht vorhersehbaren Wetterbedingungen und immer mehr einer Auslaugung der Böden führt, so dass Familien gezwungen sind, alternative Einnahmequellen zu suchen. In Indien zeigte sich beispielweise, dass sich die Dauer der saisonalen Migration aufgrund des Klimawandels von drei auf sechs Monate verlängerte. Das hat zur Folge, dass dort viele Kinder arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. Am Beispiel Nicaragua lässt sich zeigen, dass durch Umweltzerstörung auch neue Formen von Arbeit entstehen können. Große Mülldeponien stellen eine lukrative Einnahmequelle für diejenigen dar, die aufgrund extremer Witterungsbedingungen keine verlässliche Ernte erzielen. Gleichzeitig ist die Arbeit der Müllsammler Teil der Lösung – sie tragen mit ihrer Arbeit zu einer sauberen und gesunden Umwelt bei.

Der Kinderarbeitsreport 2017 zeigt klar, dass der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kinderarbeit mehr Beachtung finden muss. Insbesondere die Situation von Migrantinnen und Migranten muss stärker ins Blickfeld nationaler und internationaler Politik rücken, damit Bildungszugänge für Kinder geschaffen und langfristige Perspektiven ermöglicht werden. Daher sind weitere Untersuchungen und Kenntnisse zum Zusammenhang zwischen Umweltveränderungen und Kinderarbeit nötig, um zu vermeiden, dass diese Thematik bei der Entwicklung und Umsetzung der entsprechenden Richtlinien und Programme vernachlässigt wird.

Deutsche Kurzfassung (20 S.). Englische Originalfassung (48 S.)

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