Kinderarbeits-Report 2016

»Weil wir überleben wollen« - Kinderarbeit unter den Flüchtlingen des Syrienkonfliktes

Barbara Küppers, Antje Ruhmann | terre des hommes | 2016

Kinderarbeits-Report 2016

"Seit Beginn der Syrienkrise im März 2011 sind etwa 6,5 Millionen Syrer im eigenen Land auf der Flucht vor der Gewalt. Diese hat zudem mehr als vier Millionen Syrer dazu gezwungen, aus ihrer zerstörten Heimat zu fliehen und Schutz in den Nachbarländern Türkei, Ägypten, Jordanien, Libanon und Irak zu suchen. Ende 2014 mussten UN-Organisationen ihre Nothilfemaßnahmen zurückfahren, weil sie nicht genug Finanzzusagen von der internationalen Gemeinschaft erhalten hatten. In der Folge verschlechterten sich die Lebensbedingungen – vor allem in den Ländern rund um Syrien – und viele Familien machten sich erneut auf den Weg und riskierten gefährliche Überfahrten über das Mittelmeer oder die Reise über die Westbalkanrouten, um Schutz und Asyl in Europa zu suchen. Bis heute konnte das Engagement der verschiedenen Akteure die Gewalt und Massenflucht nicht beenden, sondern trug vielmehr zur Eskalation des Konflikts bei. Infolge von Grenzschließungen, aber auch durch improvisierte Lager entlang der Balkanroute, hat die chaotische Situation in letzter Zeit in ganz Europa die Bedingungen für Flüchtlinge verschärft.

Zum Zeitpunkt der Publikation des vorliegenden Berichts benötigten laut UNOCHA geschätzte 13,5 Millionen Syrer, darunter sechs Millionen Kinder, humanitäre Hilfe. Von diesen befanden sich 4,8 Millionen Menschen in schwer zugänglichen Gebieten, darunter fast 500.000 in belagerten Gebieten in Syrien. Die Hälfte dieser Flüchtlinge, so Schätzungen, sind Kinder unter 18 Jahren. Die andauernden regionalen Konflikte haben extreme Auswirkungen auf ihr Leben. In vielen Fällen ist der Besuch einer Schule unmöglich geworden, und sie leiden täglich unter gesundheitlichen Problemen, Unterernährung und inakzeptablen hygienischen Bedingungen. Darüber hinaus sind durch den Konflikt Tausende Kinder eskalierender Gewalt, Angriffen und Ausbeutung ausgesetzt, die zu schweren physischen und psychischen Traumata führen.

Aus dem Libanon und Jordanien wird von einer steigenden Anzahl von Kinderehen berichtet. Kinderarbeit gab es schon vor dem Krieg in Syrien und den Nachbarländern, doch die andauernde humanitäre Krise hat zu einem alarmierenden Anstieg geführt. Berichte aus den nationalen und internationalen Büros von Terre des Hommes deuten darauf hin, dass eine wachsende Zahl von Flüchtlingskindern in ökonomische Tätigkeiten aller Art involviert ist. Darüber hinaus ist Kinderarbeit in ihren extremsten Formen in Syrien weit verbreitet. ..."

"Ziel des Kinderarbeitsreports 2016 ist es, das Problem der Kinderarbeit, einschließlich ihrer schlimmsten Formen, unter den Flüchtlingen des Konfliktes in Syrien und die enormen Auswirkungen auf die Region zu beleuchten. Die Studie zeigt ein Gesamtbild und analysiert die Push- und Pull-Faktoren der Kinderarbeit unter intern vertriebenen Kindern in Syrien und Flüchtlingskindern in den Nachbarländern sowie in den Ländern, in die sie fliehen. Sie konzentriert sich auf Schutz und Präventionsmechanismen für Kinder sowie vielversprechende Maßnahmen und Vorgehensweisen. ..."

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