Unsichtbare Wunden

Was sechs Jahre Krieg in der Psyche der syrischen Kinder anrichten

Alun McDonald | Save the Children | 2017

Unsichtbare Wunden

Zur Recherche wurden über 450 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Syrien befragt. Ihre Antworten sind bestürzend. Die Mehrheit lebt in ständiger, teils panischer Angst vor Gewalt. Ob sie draußen spielen, zur Schule gehen oder im Unterricht sitzen – sie fühlen sie nicht sicher. Fast die Hälfte aller Eltern beobachtet, dass Kinder seit Kriegsbeginn die Fähigkeit zu sprechen verloren oder Sprachstörungen entwickelt haben.

Viele Kinder leiden unter sogenanntem „toxischen Stress“, der entsteht, wenn dauerhaft eine große Menge an Stresshormonen ausgeschüttet wird. Diese Form von Stress gilt als besonders gefährlich. „Kinder haben zwar eine große Widerstandskraft“, sagt Alexandra Chen, Expertin für Kinderschutz und mentale Gesundheit an der Harvard Universität. „Aber die wiederholten Traumata, denen viele syrische Kinder ausgesetzt sind, lösen bei vielen toxischen Stress aus. Der kann nicht nur die Entwicklung ihres Gehirns und anderer Organe stören, sondern birgt auch ein Risiko für Herzerkrankungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch und psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen – bis ins Erwachsenenalter hinein.“ Die Folgen für die post-Kriegs-Gesellschaft sind in ihrem Ausmaß noch gar nicht abzusehen, zumal weiter überall im Land Kampfhandlungen stattfinden – trotz des ausgehandelten Waffenstillstands.

Doch der Bericht gibt auch Grund zur Hoffnung: Auch nach sechs Jahren Krieg sind die Kinder Syriens nicht emotional abgestumpft. Immer noch schmieden sie Pläne für die Zukunft. Ihre größte Hoffnung neben der auf Frieden ist es, wieder zur Schule gehen zu können. Wenn ihnen die nötige Unterstützung zukommt, dann haben sie die Chance, sich von ihren Traumata zu erholen.


Teilübersetzung - der vollständige Bericht ist auf Englisch.

 

 

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