Aktuelles

01.06.2018

Anker-Zentren

World Vision und terres des hommes kritisieren die geplanten Anker-Zentren

© World Vision

terre des hommes
"Ankerzentren für Kinder und Jugendliche ungeeignet"

Osnabrück, 25. Mai 2018 – 24 Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen fordern in einem gemeinsamen offenen Brief an die Städte und Gemeinden sowie das Innen- und das Familienministerium, die Rechte und das Wohl von Kindern in der Debatte um die geplanten Ankerzentren zu achten.

»Auf Grundlage der bisher bekannten Pläne steht für uns fest: Ankerzentren werden keine geeigneten Orte für Kinder und Jugendliche sein«, sagte terre des hommes-Kinderrechtsexperte Thomas Berthold.

45 Prozent der 2017 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge waren Kinder und Jugendliche. Ihre Rechte müssen in allen Verfahren berücksichtigt werden. Dazu gehören zum Beispiel der Besuch von Schulen und Kindergärten und eine Umgebung, in der Kinder sicher und gesund aufwachsen können. »Es ist pädagogisch und rechtlich außer Frage, dass Kinder nicht nur besonderen Schutz benötigen, sondern ihnen elementare Rechte nicht vorenthalten werden dürfen. Das Kindeswohl muss Vorrang vor flüchtlingspolitischen Erwägungen haben«, so Nerea González Méndez de Vigo, juristische Referentin beim Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. »Die geplante Unterbringung von unbegleiteten minderjährige Flüchtlingen in Ankerzentren gemeinsam mit Erwachsenen widerspricht dem Vorrang der Kinder- und Jugendhilfe.«

 

World Vision
"Geflüchtete Kinder sind keine Kinder zweiter Klasse"

01.06.2018 - Zum heutigen Weltkindertag kritisiert das Kinderhilfswerk World Vision die Bundesregierung für ihren Umgang mit geflüchteten Kindern. Vor allem die geplanten Anker-Zentren würden gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen.

Die Kinderrechtskonvention gilt auch in Deutschland für alle Kinder, unabhängig davon, woher sie kommen, welchen Aufenthaltsstatus sie haben, wie lange sie in Deutschland voraussichtlich bleiben werden oder in welchem Bundesland sie leben.

World Vision sieht jedoch aktuell die Gefahr, dass es mit den geplanten Anker-Zentren in der Bundesrepublik wieder salonfähig wird, geflüchtete Kinder als Kinder zweiter Klasse zu behandeln. „Mit großer Sorge sehen wir auf die geplanten Anker-Zentren. Zentrale Lager für mehrere hundert, wenn nicht tausend Menschen sind kein hinnehmbares Lebensumfeld für Kinder“ so Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. „Die bundesweite Ausweitung dieser Lager, in denen Menschen, darunter viele Kinder, isoliert werden, entspricht nicht unserem Verständnis vom würdevollen Umgang mit Geflüchteten.“

Berichte von Besuchern ähnlicher, schon bestehender zentraler Aufnahme- und Abschiebezentren zeigen, dass Kinder dort monate-, manchmal jahrelang ausgegrenzt und ihre Rechte beschnitten werden. Es gibt beispielsweise keine abschließbaren oder kindgerechten Räume, Hebammen wird der Zugang verweigert, die medizinische Versorgung entspricht nicht dem Standard deutscher Kinder, die Schulpflicht wird teilweise ausgesetzt. Auch die Beschäftigungs- und Perspektivlosigkeit der Erwachsenen, die nächtlichen Abschiebungen und die dadurch entstehenden Aggressionen wirken sich negativ auf die Kinder aus.

World Vision fordert deshalb: In Deutschland gilt die Kinderrechtskonvention für alle Kinder. Geflüchtete Kinder müssen so schnell wie möglich in die deutsche Gesellschaft „hineingelassen“ werden, um Begegnungen und ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.

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